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Montag, 5. November 2007

fast verpasst

"Talking Pictures. Theatralität in zeitgenössischen Film- und Videoarbeiten", endete heute. Lohnend schon wegen der eindrücklichen Arbeit von Catherine Sullivan (Five Economies / Big Hunt, 2002). Links mit mehr Infos zu ihren Arbeiten gibts hier und hier.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ateliertermin: Rainer Eisch



Gnarls Barkley's Hitscheibe St. Elsewhere beginnt und endet mit dem charakteristischen Rattern eines analogen Filmprojektors. Vor dem ersten Track hört man ihn anlaufen, nach dem letzten hört man wie das lose Filmende noch ein paar Mal gegen das Projektorgehäuse schlägt, bevor die Spule stehen bleibt.

Der eher beiläufige Hinweis, daß die Scheibe eine Story mit Drehbuch und Hauptdarstellern ist, funktioniert. Das Geräusch legt selbst in Zeiten des Wohnzimmer-Beamers noch eine Menge Schalter im Kopf um.

Rainer Eisch hatte in seinem Atelier zwei neuere Film-Installation aufgebaut. Ein altmodischer, aber blitzsauberer 16mm-Projektor steht in der Mitte, das Bild (Breitwand-Cinemascope-Format, aber in klein) wird auf eine Leinwand projiziert, die genau die Größe des Bildes hat. Der einzige Ton ist das Rattern des Projektors. Der Film (in der Arbeit "enya" ein loop von etwa 9 Minuten Länge) selbst ist stumm, der Hintergrund schwarz, davor bewegt sich etwas, das alle Gelb-Schattierungen unterhalb der grellen Schwefeltöne zeigt. Kugelförmige flimmernde Wolken scheinen an den seitlichen Bildrändern in einiger Entfernung aufzutauchen. Beim Näherkommen erkennt man, daß sie aus geometrischen Formen bestehen, meist Rechtecke, die wie Papierfetzen in einem Luftwirbel durch den Raum schlingern.

Die Kamera fliegt durch diese Wolke hindurch, im Hintergrund sieht man schon die nächste Wolke auf sich / die Kamera zukommen.

Oder? Das ganze Filmszenario ist ein digitales Produkt, die scharf umrissenen Formen und der gleichmäßige Hintergrund leugnen das gar nicht, stoßen einen aber auch nicht mit der Nase drauf. Der Kopf weiß, es ist alles digital, aber der Körper versucht sich einig zu werden, ob er sich (als Auge der Kamera) durch etwas hindurch bewegt, oder ob sich etwas auf ihn zu bewegt.

Die Bewegung ist eine Computeranimation, eine Kamera gibt es also nicht. Die Suggestion von Kamerastandort und Bewegung ist trotzdem überraschend stark, auch deshalb, weil sich der Film auf diese Suggestion konzentriert und das Tempo so wählt, daß immer noch genügend Einzelheiten der "Wolke" im Vorbeifliegen sichtbar sind.

Über oder unter allem liegt das Rattern des Filmprojektors, dessen analoge Technik seit der Erfindung des Kinos alle Geschichten begleitet, die mit ihrer Hilfe auf der Leinwand erscheinen. Die Technik selbst ist Teil der Erzählung geworden. In Rainer Eisch's Installation spielt sie die Rolle der Verführung: "Alles was du siehst, habe ich für dich aufgezeichnet, ich habe es selbst gesehen, glaube mir." Geräusch, Technik, Film, der tatsächliche und der digitale Raum und zwischen allem der Betrachter: eine Art psyschische Maschine. Der Loop im Kopf sucht einen Fixpunkt und gerät in das endlos aufgeschobene Versprechen, daß der Bildraum Wirklichkeit wird.

Eine wunderbare Arbeit. Rainer Eisch hat zuletzt in Montreal seine bisher umfangreichste Installation ausgestellt, im Rheinland muß man Glück haben, wenn man was sehen will.

(Abb.: bearbeitetes Film-still aus "enya" © Rainer Eisch, auf http://www.rainereisch.com/ sind einige Filmbeispiele im quicktime-Format zu sehen.)

Freitag, 28. September 2007

... am Wochenende nix vor?






... dann bitteschön die beiden aktuellen Ausstellungen im Kunstraum/ Atelier am Eck nicht verpassen (beide nur bis 7.10.). Bei der Eröffnung war die Meinung zu hören, daß Rory Middeltons Installation die bisher beste Arbeit sei, die das Atelier am Eck gesehen hat, das sehe ich auch so. Hier und hier gibt es Beschreibungen der Arbeit.

Gegenüber, im Kunstraum (erste Ausstellung in der Reihe Trendwände), versucht Michalis Nicolaides in einer seiner drei Videoperformances, Elvis zu werden, besser kann man Elvis' Todestag nicht begehen (das Video wurde am 8. August aufgenommen). Eine Stunde lang (ohne Schnitt) setzt er immer wieder zum Sprung an, um in der Luft genau die Pose zu treffen, die Presley auf dem berühmten Großformat von Warhol einnimmt (Elvis als Cowboy, breitbeinig, mit gezücktem Colt). Eine unbewegliche Videokamera zeigt ihn vor einer an die Wand geklebten Kopie der Warhol-Arbeit (ich unterstelle mal, daß er nicht das Original besitzt), in der Perspektive der Kamera steht Elvis etwa 30 bis 40cm höher als Michalis. Ein Schwarz/Weiß-Monitor im unteren Bildrand zeigt die gleiche Szene, das Bild kann aber mit einem Fernauslöser für ein paar Sekunden eingefroren werden. Er drückt selbst in dem Moment auf den Auslöser, in dem er - im Sprung - glaubt, daß sich seine Pose und die Pose des Elvis-Cowboys decken. So ganz klappt das natürlich nicht, er verdeckt den Warhol-Elvis-Cowboy nie ganz.

Elvis ist er nicht geworden, aber gelungen ist ihm die Arbeit trotzdem: Die Video-Projektion einer Kopie eines Gemäldes nach einem Foto, das Presley in der filmischen Pose eines Cowboys zeigt - viel weiter weg kann man kaum von irgendetwas sein, das sich Authentizität nennt. Mit jedem einzelnen Sprung (und es sind viele, sicher hundert und mehr im Laufe der einstündigen Performance) und der für Sekunden erstarrten Pose auf dem Monitor springt er aus dem Atelier in eine mediale Welt, in der er Elvis-als-Cowboy ist. Die Installation zeigt an diesen Stellen für einen kurzen Moment den Star Elvis Nicholaides und den erschöpften Akteur, der kurz Luft holt für den nächsten Sprung in die drei Sekunden der Berühmtheit.

Auch schön ist seine Arbeit "Pusteblume", ebenfalls sehenswert ist die umfangreiche Werkgruppe von Nada Sebestyen, die etwas Zeit und Ruhe brauchen.

Schließlich noch Carl Hagers Skulpturen und Zeichnungen.