Tabea Langenkamp sammelt Geld für ein Waisenhaus in Sansibar. Am Freitag eröffnet ihre Ausstellung mit vielen guten Namen, alles soll verkauft werden. Da drücken wir die Daumen. Bemerkens- und nachahmenswert finde ich, daß Waisenhaus und Künstler sich den Verkaufspreis teilen (halbe/ halbe). Absolut fair.
Kuratiert wird das ganze von der Mini Bar , die eine Reihe von sehr guten Leuten unter einen Hut bekommen haben.
Die Eröffnung ist um 19h in der Düsseldorfer Strasse 25a, (Verlängerung der Kniebrücke auf Oberkasseler Seite, etwa 200m hinter der Jugendherberge.) Das ganze läuft offiziell nur über das Wochenende, in der Woche danach bei Interesse einfach anrufen: (DDF) 572 644
Mittwoch, 14. November 2007
Kunst(kauf) für Sansibar (ab Freitag!)
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Sonntag, 11. November 2007
Trendwände
Es gibt eine Menge richtig guter Künstler in Düsseldorf, von denen man wenig hört und sieht. Die Ausstellungsreihe Trendwände ist eine gute Chance, wenigstens einige davon zu sehen und für sich zu entdecken.
Über Michalis Nicolaides und Nada Sebestyen habe ich schon geschrieben, den Fotografen Taki Kiometzis mächte ich erwähnen, den Bildhauer Christian Schreckenberger und vor allem - Ausstellung läuft noch!! - Hyun-Mee Ahn, Malerin/ Bildhauerin (oder?), die eine Reihe von Arbeiten zeigt, die wirklch haarscharf den Übergang zwischen Objekt und dessen Auflösung in Malerei fixieren.
(Trendwände, Kunstraum, Himmelgeister Straße/ Salzmannbau, aktuelle Ausstellung noch bis einschließlich Sonntag, 18.11., geöffnet Do Fr 17 - 22h, Sa So 14 - 18h)
(Abb.: Hyun-Mee Ahn, flying visit, 2007, ca. 320 x 160cm, Höhe ca. 400cm, Holzleisten, Farben, Schrauben; unten: Dispergens 32, 28.7 x 33cm, Mischtechnik auf MDF)
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Montag, 5. November 2007
Kunstpreis für Marlene Dumas
Dazu gabs schon mal ein posting, hier nur ein zwei aktuelle Infos und Gedanken: Aus fachlich kompetenten Kreisen war zu erfahren, daß es die Absicht gibt, eine Ausstellung mit Arbeiten der Preisträgerin zu organisieren. Wann das sein wird, war nicht abschließend zu erfahren (2008, vielleicht sogar später).
Im Frühjahr eine Entscheidung über den Preisträger zu treffen, läßt auch beim besten Willen zu wenig Zeit für eine Ausstellungsvorbereitung (ein halbes Jahr für eine Ausstellung mit einer Künstlerin, die nicht gerade auf Anfragen warten muß? Nicht im Traum.) Was viel aussagt über die Prioritäten derjenigen, die sich einen solchen Preis ausdenken: Marketing geht vor durchdachten Konzepten.
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fast verpasst
"Talking Pictures. Theatralität in zeitgenössischen Film- und Videoarbeiten", endete heute. Lohnend schon wegen der eindrücklichen Arbeit von Catherine Sullivan (Five Economies / Big Hunt, 2002). Links mit mehr Infos zu ihren Arbeiten gibts hier und hier.
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Montag, 29. Oktober 2007
Secondary * Thoughts on Secondary Structures

Aha denkt der Kunstgebildete. Fruhtrunk, Günter. Streifen, Augenflimmern, Überforderung des Sehnervs, Bridget Riley auch, Josef Albers maybe.
Das wurde ein langer Abend. Viel Herumgehen und über einzelne Arbeiten mit Leuten sprechen brachte keine echten Aufschluß darüber, warum die ganze Ausstellung denn nun gelungen ist. Und gelungen ist sie, wenn man das Wort mal benutzen darf, das allerdings für die Rechtschreibübung des Drittklässlers genau so gebraucht wird, wie für ein Mega-Hochhaus: Gelungen.
An den einzelnen Arbeiten liegts nicht unbedingt, einiges ist doch etwas akademisch, so auch die Arbeit, die hier abgebildet ist (Markus Ebner, Trennendes Weiß, 2007, vier Leinwände, Acryl/ Vinyl a Lwd., 80x77 bis 227x193cm). Sie ist interessant genug, um sich eine Weile daran abzuarbeiten. Trotz der identischen Komposition ist die Wirkung natürlich nicht gleich, auch die Art und Weise wie sich hier jemand eine ganze Wand in diesem verkorksten Ambiente greift, verdient Respekt (die wem gilt? dem Maler oder den Kuratoren, die die Hängung besorgten?)
Die Hängung orientiert sich stärker an den Raummaßen, als an der "klassischen" Rücksicht auf Augenhöhe, oder Besuchergröße - sprich: das ganze ist weniger eine museale Präsentation, als eine Raum-Montage. Das wirkt sich auf den Besucher aus, andachtsvoll nah vor einer Arbeit stehenbleiben und im Sehen verstehen geht nicht. Wer das versucht, bekommt Nackenstarre und sieht trotzdem nur einen Ausschnitt. Die Organisation der Bilder im Raum stellt von vornherein klar, daß Kontemplation nicht gefragt ist. Es gibt auch nichts, was diese Zutraulichkeit des Besuchers notwendig macht, die perfekten Oberflächen brauchen keine Intimität.
Speziell Markus Ebners Arbeiten lassen allerdings bald etwas nach. Im Rahmen der Ausstellung sind sie ein druckvolles Signal, ansonsten bleibt der Eindruck, daß hier nicht ganz neue Einsichten und Möglichkeiten vielleicht eine Spur zu dröge durchdekliniert werden**.
Das gilt mit leichten Abwandlungen für vieles in dieser Ausstellung, ist aber (für mich) gar nicht so negativ, wie es sich liest. Nicht nur was man macht, ist entscheidend, sondern auch, wann. Die Hängung der Arbeiten, die nichts übersensibles hat, sondern eher an die genaue und nüchterne Arbeit von Vermessungstechnikern denken läßt, ist klasse. Das Timing stimmt, nicht nur, weil nebenan Palermo zu sehen ist (und in der Galerie Thomas Flor mit "Paintings from New York 1967 - 75" Positionen gezeigt werden, die diese beiden Ausstellungen ergänzen).
Die Möglichkeit, gleich an drei Orten zu testen, ob was zwischen Malerei und Raum passiert, erinnert mich allerdings an Fragen, die schon von den "primary structures" *** provoziert wurden: Welcher Raum öffnet sich hier? Ein Bühnenraum? Theater, Film, Architektur? Die Ausstellung ist ein großes Experiment und ein Versprechen: interessanter als die einzelnen Arbeiten ist die gespannte Erwartung dessen, was jetzt, danach, als nächstes passiert.
* www.dict.org - Datenbank der Synonyme, seit zehn Jahren unverändert und genau so lange eine meiner Lieblingsseiten
**(Anderer Ansicht ist da der Pressetext zu einer Galerieausstellung, der mich aber nicht umstimmen kann. Zu viele Worte, die ich schon kenne.)
*** Donald Judd war auf den Ausstellungstitel "Primary Structures" (1966, Jewish Museum, New York) nicht gut zu sprechen. Ein Artikel eines kompetenten Zeitgenossen, der das erläutert (und außerdem fast alles, was man über "Minimal Art" - noch so eine Schublade - wissen muß) , findet sich hier.
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Mittwoch, 24. Oktober 2007
Ateliertermin: Rainer Eisch

Gnarls Barkley's Hitscheibe St. Elsewhere beginnt und endet mit dem charakteristischen Rattern eines analogen Filmprojektors. Vor dem ersten Track hört man ihn anlaufen, nach dem letzten hört man wie das lose Filmende noch ein paar Mal gegen das Projektorgehäuse schlägt, bevor die Spule stehen bleibt.
Der eher beiläufige Hinweis, daß die Scheibe eine Story mit Drehbuch und Hauptdarstellern ist, funktioniert. Das Geräusch legt selbst in Zeiten des Wohnzimmer-Beamers noch eine Menge Schalter im Kopf um.
Rainer Eisch hatte in seinem Atelier zwei neuere Film-Installation aufgebaut. Ein altmodischer, aber blitzsauberer 16mm-Projektor steht in der Mitte, das Bild (Breitwand-Cinemascope-Format, aber in klein) wird auf eine Leinwand projiziert, die genau die Größe des Bildes hat. Der einzige Ton ist das Rattern des Projektors. Der Film (in der Arbeit "enya" ein loop von etwa 9 Minuten Länge) selbst ist stumm, der Hintergrund schwarz, davor bewegt sich etwas, das alle Gelb-Schattierungen unterhalb der grellen Schwefeltöne zeigt. Kugelförmige flimmernde Wolken scheinen an den seitlichen Bildrändern in einiger Entfernung aufzutauchen. Beim Näherkommen erkennt man, daß sie aus geometrischen Formen bestehen, meist Rechtecke, die wie Papierfetzen in einem Luftwirbel durch den Raum schlingern.
Die Kamera fliegt durch diese Wolke hindurch, im Hintergrund sieht man schon die nächste Wolke auf sich / die Kamera zukommen.
Oder? Das ganze Filmszenario ist ein digitales Produkt, die scharf umrissenen Formen und der gleichmäßige Hintergrund leugnen das gar nicht, stoßen einen aber auch nicht mit der Nase drauf. Der Kopf weiß, es ist alles digital, aber der Körper versucht sich einig zu werden, ob er sich (als Auge der Kamera) durch etwas hindurch bewegt, oder ob sich etwas auf ihn zu bewegt.
Die Bewegung ist eine Computeranimation, eine Kamera gibt es also nicht. Die Suggestion von Kamerastandort und Bewegung ist trotzdem überraschend stark, auch deshalb, weil sich der Film auf diese Suggestion konzentriert und das Tempo so wählt, daß immer noch genügend Einzelheiten der "Wolke" im Vorbeifliegen sichtbar sind.
Über oder unter allem liegt das Rattern des Filmprojektors, dessen analoge Technik seit der Erfindung des Kinos alle Geschichten begleitet, die mit ihrer Hilfe auf der Leinwand erscheinen. Die Technik selbst ist Teil der Erzählung geworden. In Rainer Eisch's Installation spielt sie die Rolle der Verführung: "Alles was du siehst, habe ich für dich aufgezeichnet, ich habe es selbst gesehen, glaube mir." Geräusch, Technik, Film, der tatsächliche und der digitale Raum und zwischen allem der Betrachter: eine Art psyschische Maschine. Der Loop im Kopf sucht einen Fixpunkt und gerät in das endlos aufgeschobene Versprechen, daß der Bildraum Wirklichkeit wird.
Eine wunderbare Arbeit. Rainer Eisch hat zuletzt in Montreal seine bisher umfangreichste Installation ausgestellt, im Rheinland muß man Glück haben, wenn man was sehen will.
(Abb.: bearbeitetes Film-still aus "enya" © Rainer Eisch, auf http://www.rainereisch.com/ sind einige Filmbeispiele im quicktime-Format zu sehen.)
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Montag, 22. Oktober 2007
Vollgas
e.on erhöht die Strompreise, in Anne Wills Plauderrunde konnten die geladenen Gäste e.on-Vertreter Bernotat nicht dazu bewegen, das plausibel zu begründen.
Die aktuelle Ausstellung im von e.on dauerhaft mitfinanzierten museum kunstpalast ("Bonjour Russland") steht unter der Schirmherrschaft von A. Merkel und W. Putin, letzterer ist Herrscher über ein Land, das der wichtigste Erdgaslieferant des Westens (und Geschäftspartner der e.on) ist. Das mit Gasprom, G. Schröder und W. Putin kriege ich gerade nicht zusammen.
Wie üblich steht das Logo der e.on auffällig auf jedem Stück Papier und natürlich der Internetseite. Es fällt nur diesmal mehr als sonst auf, daß Kultur hier als Marketinginstrument zur Anbahnung und Pflege von Geschäftsbeziehungen dient. Wenn ich richtig informiert bin, war das übrigens spätestens bei der Ausstellung 2356KM (Kunst aus Düsseldorf in Moskau, 2000) so, wo die begleitende Düsseldorfer Delegation reichlich umfangreich und wirtschaftslastig gewesen sein soll.
Der Nachbar RWE machts ähnlich, die Ausstellung Darren Almond, zunächst im Turm der RWE Holding zu sehen (den man völlig unironisch als Dependance des Folkwang-Museums preist), ging dann weiter nach Warschau, "Ausweitung der Kooperation nach Osteuropa" nennt man das auf der Firmenseite.
In Essen hat e.on allerdings schon lange den Fuß in der Tür, 1993 wurde die Ausstellung über die russischen Sammler der frühen Moderne (Morosw und Schtschukin, 1993) von e.on/ ruhrgas gesponsert, ebenso wie die großen Publikumsrenner der Folgejahre (Gauguin, Turner, Cezanne, C.D. Friedrich). Bei Cezanne fühlte sich der WDR damals bemüßigt, folgendes herauszustellen:
Allein die Eremitage in Sankt Petersburg schickte elf Gemälde, darunter Picassos berühmte Komposition "Trois femme" und Cézannes Landschaftsbild "Le paysage bleu"....Eines der vielen Highlights der Ausstellung ist Cézannes Gemälde "Mardi Gras", eine Leihgabe des Moskauer Puschkin-Museums.Es fällt nicht schwer, dahinter eine gut formulierte Pressemeldung zu erkennen, die dem Wohlbefinden des Sponsors Rechnung trägt. Nun bin ich der letzte, der was dagegen hat, wenn Kulturinstitutionen es schaffen, Geld von Unternehmen zu bekommen. Aber spannend ist es schon, zu verfolgen, wie das publikumswirksame Segment der Kultur sich als Vehikel der Wirtschaftspolitik eignet.
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Freitag, 12. Oktober 2007
Schneller Rundgang

Ein schneller Rundgang durch die Galerien Ringel, Bugdahn, Schmela, Mayer, Gmyrek, Voss, Kimmerich - Gmyreks update-Ausstellung (kuratiert von Andrea Peters und Ljiljana Radlovic) ist sehenswert, Hendrik Krawen hält mühelos das hohe Niveau der Ausstellungen bei Dennis Kimmerich.
(Abb.: Hendrik Krawen, gestern, Öl a Lwd., 45 x 80cm, © Gal. Kimmerich)
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Donnerstag, 11. Oktober 2007
Worauf ich mich freue: Palermo


Blinky Palermo (Kunsthalle/ Kunstverein) natürlich: Am 21.10. fängt die Ausstellung an (und läuft bis 20. Januar), Eröffnung ist also wohl am Abend vorher, Samstag, 20.10.
Heute überbietet man sich im Lob, aber es gibt auch die Anekdote (ich glaube, in einem Artikel über Erhard Klein war sie zu lesen), daß man ihn als Malewitsch-Epigonen klassifizierte.
Interessant wird der Vergleich mit der fast parallel laufenden Ausstellung im Tunnel: Secondary Structures wird kuratiert vom Konsortium und dockt natürlich bei Donald Judd und Konsorten an. Überhaupt sind die Leute vom Konsortium bemerkenswert strikt in der Präsentation von scharfkantiger Kunst, die ohne Buntheit auskommt.
Foto: Angelika Platen, 1973, © Kunsthalle Düsseldorf
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Montag, 1. Oktober 2007
Cosar/ Sies + Höke

Beide Ausstellungen (Gert Robijns, bzw. "Filaturen" incl. G. Robijns") bitte nicht verpassen. (bis 12. Oktober)
Bei Michael Cosar bewegt man sich auf einen verdunkelten Raum zu, der nur durch die offene Tür und eine Video-Projektion Licht bekommt. Aus dem white cube wird fast eine black box (diese beiden modernen Erfindungen lassen sich prima ineinander blenden), allerdings läßt sich die - wie ein Vorhang in Streifen herabhängende - Leinwand mühelos durchdringen, eine Fieberfantasie des Kinobesuchers wird Wirklichkeit. Dahinter ist: nichts. Nur die gleiche Projektion, seitenverkehrt natürlich. Aus der entrückten Situation - ich allein mit dem Film, die Chance, die Bilder zu greifen, und aus dem richtigen Leben in den Film zu verschwinden - wird eine leichte Desillusion. Hinter der Leinwand ist nur das gleiche. Sie ist nicht die versprochene Passage in eine andere Bildwelt, sondern nur eine Zäsur im Dunkeln.
Bei Sies + Höke wird diese Idee des Übergangs zwischen Raum und Bildwelt anders konstruiert, die Inszenierung ist fast noch dramatischer als bei Michael Cosar. Robijns bespielt einen ebenfalls abgedunkelten rechteckigen Raum. Auf der dem Zugang gegenüberliegenden Wand ist ein weißer Vorhang aufgehängt, der einen großen Teil der Höhe und Breite der Wand einnimmt. Auf diesen Vorhang ist ein Beamer gerichtet, der einen weißen, geschlossenen Vorhang projiziert, der sich leicht im Wind zu bewegen scheint, durch den Stoff des Vorhangs ist ein Fenster zu sehen. Was ist Fenster, Stoff, Projektion, die Sprünge zwischen Raum und Illusion, zwischen Umgebungslicht und dem Licht des Beamers sind für den Kopf leicht aufzulösen, aber nicht für das Auge, was das Ganze zu einer ziemlich erstklassigen Arbeit macht.
(Fotos: eigene Aufnahmen: Arbeiten von Gyan Panchal, © bei den Künstlern, bzw. Gal. Sies + Höke)
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Freitag, 28. September 2007
... am Wochenende nix vor?

... dann bitteschön die beiden aktuellen Ausstellungen im Kunstraum/ Atelier am Eck nicht verpassen (beide nur bis 7.10.). Bei der Eröffnung war die Meinung zu hören, daß Rory Middeltons Installation die bisher beste Arbeit sei, die das Atelier am Eck gesehen hat, das sehe ich auch so. Hier und hier gibt es Beschreibungen der Arbeit.
Gegenüber, im Kunstraum (erste Ausstellung in der Reihe Trendwände), versucht Michalis Nicolaides in einer seiner drei Videoperformances, Elvis zu werden, besser kann man Elvis' Todestag nicht begehen (das Video wurde am 8. August aufgenommen). Eine Stunde lang (ohne Schnitt) setzt er immer wieder zum Sprung an, um in der Luft genau die Pose zu treffen, die Presley auf dem berühmten Großformat von Warhol einnimmt (Elvis als Cowboy, breitbeinig, mit gezücktem Colt). Eine unbewegliche Videokamera zeigt ihn vor einer an die Wand geklebten Kopie der Warhol-Arbeit (ich unterstelle mal, daß er nicht das Original besitzt), in der Perspektive der Kamera steht Elvis etwa 30 bis 40cm höher als Michalis. Ein Schwarz/Weiß-Monitor im unteren Bildrand zeigt die gleiche Szene, das Bild kann aber mit einem Fernauslöser für ein paar Sekunden eingefroren werden. Er drückt selbst in dem Moment auf den Auslöser, in dem er - im Sprung - glaubt, daß sich seine Pose und die Pose des Elvis-Cowboys decken. So ganz klappt das natürlich nicht, er verdeckt den Warhol-Elvis-Cowboy nie ganz.
Elvis ist er nicht geworden, aber gelungen ist ihm die Arbeit trotzdem: Die Video-Projektion einer Kopie eines Gemäldes nach einem Foto, das Presley in der filmischen Pose eines Cowboys zeigt - viel weiter weg kann man kaum von irgendetwas sein, das sich Authentizität nennt. Mit jedem einzelnen Sprung (und es sind viele, sicher hundert und mehr im Laufe der einstündigen Performance) und der für Sekunden erstarrten Pose auf dem Monitor springt er aus dem Atelier in eine mediale Welt, in der er Elvis-als-Cowboy ist. Die Installation zeigt an diesen Stellen für einen kurzen Moment den Star Elvis Nicholaides und den erschöpften Akteur, der kurz Luft holt für den nächsten Sprung in die drei Sekunden der Berühmtheit.
Auch schön ist seine Arbeit "Pusteblume", ebenfalls sehenswert ist die umfangreiche Werkgruppe von Nada Sebestyen, die etwas Zeit und Ruhe brauchen.
Schließlich noch Carl Hagers Skulpturen und Zeichnungen.
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Mittwoch, 26. September 2007
Die Achse der Guten II (Ddf - Detmold)

In Detmold findet ab heute ein mehrtägiges Kurzfilmfestival samt türkischer Filmwoche statt. Bei beiden mischt Christian Deckert mit, in den 90ern zusammen mit seinen Mit-Regisseuren und -Produzenten (u.a. Cornelius Völker) durch einen "abendfüllenden Spielfilm" (also 90 Minuten) in lateinischer Originalsprache bekannt geworden, unvergessen sind Cameo-Rollen der Herren Schwegler, Lüpertz und Cragg. (Die Hermannsschlacht, auf imdb.com wird er als Director Writer Actor und Producer gleichzeitig gelistet).
Heute (und seit langem) arbeitet er vor allem an gelegentlich genialischen Kleinformaten (Zeichnungen), und stellt einen Zeichentrickfilm fertig, der ihm immerhin schon eine Einladung nach Ankara eingetragen hat (von dort führt die Linie straight nach Detmold, logisch, oder?)
Christian kuratiert unter anderem ein knappes künstlerisches Rahmenprogramm, es wird Freitag Samstag Sonntag eine Performance von Jörg Steinmann geben, außerdem eine Video-Installation von Timo Katz und Jan Fuchs, und eine compilation von globalscreen/ onomato.
Jörg Steinmanns Performance-Reihe Noise me Tender läuft hoffentlich noch eine Weile (hier in DDF), ich habs noch nicht geschafft, mal vorbeizuschauen, kann also nichts dazu sagen. Aber ich mag die Fotos, die ihn entspannt an seinem Instrumentarium hantierend in den lauten Ecken der Stadt zeigen.
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Dienstag, 25. September 2007
Letzte Chance: SkulpturProjekte Düsseldorf/ Münster
Unbedingt noch ansehen: "Parcours Interdit", eine Ausstellung von Arbeiten im Malkastenpark (bis 30.9.), mit einigen sehr sehenswerten Beiträgen.
Ebenfalls am Wochenende gehen die Skulptur Projekte in Münster zu Ende. Einige Arbeiten sind stark, vieles aber auch nicht. Die beste Arbeit ist eigentlich schon dreißig Jahre alt, "Square Depression" von Bruce Nauman.
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Montag, 24. September 2007
Von BMorgenstern zum Pop

... dazu paßt (bzw. paßt nicht) die Veranstaltungswolke "Pop am Rhein". In Düsseldorf, Köln, und auch mal in Bonn finden - locker verteilt von Mitte September bis Mitte Februar - ein paar Dutzend Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen und Konzerte statt. Da gehts munter zur Sache und durcheinander: Jeder spricht über und filmvorführt halt das, was ihm selbst am nächsten war.
Die Gegenwart taucht eher am Rande auf (immerhin ein paar Konzerte im Blue Shell in Köln) Zappa und das Creamcheese, Can, Fehlfarben Fehlfarben Fehlfarben, Rolf Dieter Brinkmann, und der Mann, dessen Gesicht mich in den 80ern am meisten beeindruckt hat (Xao Seffcheque), alle tauchen sie auf. Schön: Die unvermeidlichen Toten Hosen wurden vermieden, das ist mal was. Nicht schön: Alles ist Pop, selbst Helmut Zerlett (seines Zeichens ehemaliger Big Band-Leader bei Harald Schmidt), ja sogar Wolfgang Niedeckens BAP. Sehe ich nicht so. Dafür gibts viel über den Ratinger Hof (den originalen), aber seltsamerweise wenig (außer in der zentralen (?) Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum) über Kraftwerk, den Plan, Ata Tak, DAF und dergleichen. Holger Czukay bekommt eine retrospektive Nacht gewidmet, mit Filmen, Musik und dem anwesenden Künstler, ich glaube ich werde hingehen (3..11., Köln, Museum für angewandte Kunst) (Wie wendet man denn eigentlich Pop an? subkutan? Oder nur äußerlich?)
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Sonntag, 23. September 2007
der / die morgenstern

Barbara Morgenstern, Paul Wirkus, Stefan Schneider, als "September-Kollektiv" gabs ein einstündiges Live-Set vom Laptop in der Bergerkirche, natürlich anmoderiert von Torsten Nolting. Die Idee: Die Orgel der Johanneskirche läßt sich per Elektronik triggern (oder zumindest hab ichs so verstanden) und damit relativ gut samplen. Aus den Samples und einer Menge anderer Geräusche entstand dieses Live-Set. Ich bin kein großer Fan der Kirchenorgel, was ja nicht weiter schlimm ist. Zum Glück sind diese Riesendinger so groß, daß sie und ihre Mechanik eine Menge interessanter Töne und Geräusche produzieren, was gelegentlich durchkam. Das ganze Konzert war allerdings eher dominiert von an und wieder abschwellenden Orgelakkorden und -tönen. Immer wenn sich die Grundstruktur des Sets änderte, wenn das Orgelgedröhn zurückging und die darunter liegende rythmischen Fäden hörbar wurden, wars spannend. Dann gabs wieder Orgel und vorbei wars mit der Spannung.
Ein bißchen schade, BMs Sachen gehören zu den wenigen Produktionen aus der Sparte Elektro, die ich gern höre (na gut, ich kümmere mich auch nicht allzuviel um diese Sparte) und die CD "tesri" mit Robert Lippok steht bei mir gleich neben Eno's "Another Green World" im virtuellen Plattenschrank.
Kleine Anekdote: Peter, klarsehender Digital-Designer und Strom-Musiker, hat mit Eno so seine Probleme (die er dann wohl auch mit BM hätte), er sei ihm zu folkig (!). So hab ich das noch nie gesehen.
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Hier noch der link zu BMs eigener Seite und ihrer Seite auf MySpace. Und schließlich noch ein link zu Peter Uertz, in dessen umfangreicher Produktion an Graphik, Logos, Web-Design und Musik sich regelmäßig sehr reduziertes und deshalb alltagstaugliches Material findet. Manchmal muß man ein paar Klicks ausprobieren, je nachdem, wie seine Seite gerade aussieht.
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Samstag, 22. September 2007
filme im wp8 (nachtrag zum 18.8.)
Habs doch geschafft. Auf dem Rückweg war ich ziemlich sicher, daß man zu diesen Filmen nicht viel schreiben kann (also am besten gar nicht erst anfängt.). Dann kam allerdings dieser Artikel von Hanno Rauterberg in der ZEIT dazwischen (eigentlich nur ein Vorabdruck aus einem gerade erschienenen Buch).
Kurz gesagt geht es darum was Kunst heute von der Bildfindung und der Bildproduktion in der Werbung, im Design oder der Mode unterscheidet. da hab ich wieder was gelernt, das Buch kommt mir auf jeden Fall in die Finger. Interessant ist, wie der Autor ins Schlingern kommt, weil er mehr oder weniger formalisitisch argumentiert (flüchtige Bilder gegen die bleibende Kunst, zweckgerichtete Werbung gegen zweckfreie Kunst, die Mode (oder genauer: die Haute Couture) die auf einen Körper angewiesen ist, der sie füllt, während die selbstgenügsame Kunst nur eine weiße Wand braucht.
Gekauft wird Haute Couture nicht, um sich damit zu schützen, zu wärmen oder weil sie sonst von praktischem Nutzen wäre. Sie will nicht dienen, nicht den üblichen Forderungen nach Funktionalität gehorchen. Sie will sich selbst von dem Körper, der sie trägt, emanzipieren. Manchmal zwängt sie ihn ein, zwickt ihn, beult sich aus oder beschließt, nach der ersten Reinigung in die Brüche zu gehen. Genau wie die Kunst weist sie klassische Schönheitsvorstellungen zurück, sie bringt lieber das auf die Laufstege, was bislang als hässlich, als unvorstellbar galt, sie erklärt ? frei nach dem Readymade-Prinzip ? ebenjenes zur Mode, das nicht Mode war. Als solche wird sie dann auch gekauft, nicht als Kleidung, sondern als ein Zeichensystem zum Hineinschlüpfen. Der Käufer hofft darauf, mit ihr das eigene Selbstbild neu zu bestimmen und sich von anderen zu unterscheiden.Doch damit endet bereits die Gemeinsamkeit von Kunst und Mode: damit, dass die Mode jemanden braucht, der sie sich zu eigen macht und anlegt. Es reicht nicht, sie auf Puppen zu ziehen und auszustellen. Ihre volle Wirkung entfaltet sie erst im Wechselspiel mit einem Körper, den sie bedeckt oder bloßlegt. Ihre Eigentümlichkeit zeigt sich erst in dialektischer Beziehung zur Eigentümlichkeit ihres Trägers. Und sie verändert ihren Charakter je nachdem, wer sie sich überstreift. Für die Kunst hingegen spielt der Träger kaum eine Rolle. Sie braucht für ihre Bilder und Skulpturen nur Wand oder Fußboden, doch deren Beschaffenheit ist für ihre Wirkung nachrangig. Am besten ist es sogar, wenn sich der Träger neutralisiert und zum White Cube wird, zu einem weißen, störungsarmen Ausstellungsraum. Die Kunst existiert aus sich heraus, sie muss nicht in die Welt hinausgetragen werden, sie hat ihre Werte in sich beschlossen. Sie braucht nur den Betrachter, und der kann sie so lange und so oft betrachten, wie er will. Nie wird sie sich abnutzen - auch das unterscheidet sie von der Mode.
Was für die Kunst bleibt:
Gute Kunst muss sich nicht in Scheingefechten mit anderen oder mit sich selbst aufreiben. Sie kann ihre eigenen Qualitäten ausspielen, ebenjene, die Werber, Modemenschen, Designer so gerne hätten. Sie darf tragisch sein und grundlos erhebend, düster und von tiefem Glück, und in alldem frei von Absicht und völlig nutzlos.Eine Kunst für ein Publikum also? Die Reflexion der Kunst auf sich selbst bleibt außen vor, wenn man so will, ist das Rauterbergs Bauernopfer: Wo Selbstbewußtsein gegenüber der Medienindustrie nötig ist, bleibt das "ängstliches Kreisen um die eigene Kunsthaftigkeit" auf der Strecke. Dabei gibt es eine Menge Kunst, die ihre Spannung und ihren Witz aus dem Zitat bezieht (und wenn es eines um drei Ecken ist), oder aus der Reprise, der Kopie als Abklatsch und Persiflage. Die Baselitz-Methode, die eigenen Leistungen im Remix zu wiederholen, ist nur ein Beispiel (ich kann damit übrigens nichts anfangen). Was würde von Elaine Sturtevant bleiben, wenn man ihr vorwerfen würde, sie kreise ja bloß ängstlich um die eigene Kunsthaftigkeit? Mal davon abgesehen, daß die meiste ungegenständliche Malerei ohne diese Reflexion kaum denkbar wäre.
Wie auch immer - einen Hang zur dramatischen Kunst meine ich da herauszulesen. Tragisch, düster, erhebend, plötzlich rutscht das Vokabular in Richtung Film-- und Theaterkritik. Immer wieder fixiert er die "Bilderflut", was ihn aber nicht daran hindert, die Art der Bildproduktion der Kunst eben gerade nicht abzugrenzen gegen die Konkurrenz, der zu begegnen er Robustheit, Selbstbewußtsein, Dramatik, freie Nutzlosigkeit und Tragik der Stoffe fordert. Rauterberg hat die Nase zu dicht dran: Bilder, das sind für ihn die Dinge, die ihm im Alltag, in der Mode und im digitalen Fotoalbum begegnen. Weit führt das nicht, nichts davon könnte nicht auch mancher Werbefilm und auf jeden Fall eine Menge Spielfilme mitbringen. Überhaupt scheint mir der Versuch, der Kunst ausgerechnet als dramatische Überbietung kunstferner Bilder zu positionieren, ziemlich aussichtslos, bzw. veraltet.
Was hat das jetzt mit dem Filmabend im WP8 zu tun? Vielleicht ist Kunst das gegenteil der robusten Bilder, die Rauterberg möchte. Ich denke, auch in den zum Teil eher nicht so spannenden Filmen an diesem Abend gibt es etwas, das sie zu Kunst macht: Es bleibt immer eine suchende Bewegung sichtbar, der Versuch, die Lücke zwischen vorhandenen Bildern zu finden, in der sich etwas neues formen kann. Das was Rauterberg als Schwäche ansieht, halte ich für ein wesentliches Element der Kunst: Er nennt es Kreisen um die Kunsthaftigkeit, ich denke, es ist das Phänomen, sehen und mitdenken zu können, wie ein Bild gefunden wurde. Die besten Arbeiten scheinen im Hintergrund zu sagen: Seht her, es war ganz leicht.
Wie ist das gemacht und wo kommt es her, die Antwort läßt sich am Werk ablesen. Das macht Kunst manchmal langatmig, weil dieses Gemacht-Sein deutlicher lesbar ist, als das Bild, das es doch nur stützen soll. Es ist aber die Chance, die die Kunst gegen alle anderen Bilder hat. (Wo der Film im nachträglichen Making-Of stolz seine technischen Tricks präsentiert, ist das Finding-Of der Kunst Teil des Bildes.)
Ich gebe zu, dieser Text wird mit zunehmener Länge nicht klarer.
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Donnerstag, 6. September 2007
volles programm

Jetzt! Am Wochenende!
Freitag geht das Kunstfestival mit Vernissagen in Off-Räumen an allen Ecken und Enden los. Der direkte link zum download der pdf-Datei mit dem gesamten Programm und einem Lageplan findet sich genau hier.
Ebenfalls am Freitag eröffnen einige Galerien, die auf dem Weg liegen (wenn man das alles schafft...): Rupert Pfab zeigt Jochen Mühlenbrink, Fotos (?) von Frantisek Lesak gibts bei Cora Hölzl, Michael Cosar zeigt Gert Robijns, bei Sies + Höke kuratiert Bettina Klein (ehemals Gal. Klosterfelde, Berlin) die Ausstellung "Filaturen" (wo dann auch Gert Robijns nochmal auftaucht).
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Dienstag, 4. September 2007
"wie es ist" (wenn was war?)
Silke Leverkühne, Holger Bunk, Andreas Schulze, Milan Kunc. Früh in den 80ern waren das heiße Namen, warum das so war, erklärt der Katalog mit ausführlichen Interviews, die ein schönes Sittenbild der hiesigen Akademie geben. Die Ausstellung beschränkt sich darauf, vier große monographische Blöcke zu präsentieren, und innerhalb jeden Blocks den Spagat zwischen damals und heute zu versuchen.
Ziemlich einleuchtend war ein fragender Einwurf eines Künstlerkollegen am Eröffnungsabend, worin sich wohl die Haltung der vier Maler von der Arbeitshaltung der Maler der vorangegangenen Ausstellung (compilation III) unterscheide. Denn das tut sie natürlich ziemlich deutlich.
Ich kann mir zum Beispiel kaum vorstellen, daß sich heute eine Malerei so ungebrochen auf Cezanne oder Bonnard besinnt, wie die frühen Arbeiten von Silke Leverkühne. Später kommen Erinnerungen an die florentinische Renaissance hinzu, die großformatigen Treppenstufen sind ein Beispiel. Ich bin auch nicht der Meinung, daß ihre Motive besonders hart am Alltag sind (der Pressetext sagt so etwas ähnliches), die frühen Szenen am Bahnhof oder an der Haltestelle (aus dem Kopf aufgezählt) sind eher Stilleben im Stile Cezannes. Neuere Arbeiten erinnern an Partien aus Liebermann-Bildern, und spätestens jetzt kommt der eine oder andere ins Grübeln: Jemand wie Shila Khatami (willkürliches Beispiel, weil unten erwähnt) gibt wenigstens zu erkennen, daß sie weiß, welche Auseinandersetzungen heute nur noch Schattenboxen sind. In Silkes Arbeiten gibt es die Abkehr der Jungen von den Eltern nicht, die Malerei ist ihr eine Welt der Freunde, Lehrer und Kollegen. Ist das als Nörgelei gemeint? Nein.
Es ist seltsam, wie hier jemand eine eigene avantgarde-diskurs-resistente Malerei gesponnen hat, zu Zeiten in denen an der hiesigen Akademie (glaubt man Zeitzeugen, die nicht im Katalog vorkommen) von Frauen eher Kochen als Malen erwartet wurde. Beharrlich jedenfalls, vielleicht auch stur, jedenfalls aber un-smart - nach heutigen Maßstäben. Die ich jetzt mal für einen Moment ausblende.
Holger Bunk. Hätte ich mehr Zeit, würde ich ihm einen langen Text widmen, ich glaube, das könnte sich lohnen. Seit seinen frühen Arbeiten passiert auf den ersten Blick nicht viel im Bild, man blickt in Räume, hin und wieder Landschaften, bis auf wenige Ausnahmen bewegen sich Menschen darin, oder versuchen es wenigstens. Manche stehen auch einfach nur darin, davor, oben drauf. Räume, Bauten, Möbel und die Bewohner-Körper passen nicht so richtig zusammen, die Verschiebungen in der Perspektive und den Proportionen werden so gerade durch die Malerei zusammengehalten. Ein (fiktiver?) Körper besucht eine Bilderwelt aus Räumen, die ihm nicht passen wollen. Wahrscheinlich bewahrt ihre phlegmatische Grundhaltung die Figur davor, diese surrealen Situationen in einen rüden Expressionismus umzubiegen, wie es dann Dahn, Fetting, Dokoupil und Co. probiert haben.
Etwa zur gleichen Zeit begann Thomas Schütte Modelle und Bauten als reine Konzepte zu formulieren und als Skulpturen zu bauen. Er versuchte gar nicht erst, einen Besucher oder gar sich selbst dort hinein zu versetzen. Die Frage, mit der Holger Bunk zu seinen Bildern zitiert wird ("fortdauernde Suche nach dem ,Wo bin ich?' " ) ) wäre Schütte wahrscheinlich zu persönlich gewesen. Im Gegensatz dazu beziehen Holger Bunks Arbeiten (die übrigens in ihrer Farbpalette manchmal denen von Silke Leverkühne ähneln - Stoff für Generationen von Kunsthistorikern) gerade aus dieser biographischen Note ihre Spannung: "Wie bin ich hierhin gekommen und was soll ich hier".
Andreas Schulze: Scharf. Fand ich damals doof, heute find ichs scharf. Grobes Gepinsel, aber jeder Strich sitzt und braucht kein Meta-Dingens um ein gutes Bild zu sein.
Milan Kunc: Früher nicht. Heute immer noch nicht.
Was mir das insgesamt soll, sagt mir der Katalog und das ziemlich gut.

Holger Bunk: Portal / Kastenhäuser, beides: Aquarell, 2004, je ca. 15 x 21cm
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Donnerstag, 16. August 2007
noch eine einladung

Filme gibts im WP8 - Programm siehe oben. Der 18. ist der kommende Samstag, also schon übermorgen. Ich würde gern hin, aber wenn ich mir meinen Kalender ansehe, wird das wieder nix. Schade, das Programm sieht gut aus.
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Mittwoch, 8. August 2007
kö-bogen: schön daß wir darüber geredet haben
Heute (d.h.: am 14.8.) gabs im Haus der Architekten (Sitz der Architektenkammer) eine Diskussionsveranstaltung des Forums Kö-Bogen. Fachleute aus Architektur und Stadtplanung hatten eingeladen, etwa 150 Menschen kamen, eine geballte Mischung aus Politikern, Architekten, Stadtplanern und alteingesessenen Düsseldorfern. Im Laufe der Diskussion wurde endlich deutlich, was man aus dem offenen Brief des Forums erahnen konnte: Diskutieren will man, den Oberbürgermeister umstimmen. Man hat gute Vorschläge und berechtigte Kritik. Ausdrücklich wird eine andere Planungskultur eingefordert, was z.B. heißt, die Öffentlichkeit stärker in die Entscheidungsprozesse zu Architektur und Stadtplanung einzubinden. Man kann das auch Transparenz nennen. Zum Schluß wurde ein vorbereitetes Statement verlesen, in dem diese Forderungen noch einmal gesammelt auftauchten. Dazu hätte man allerdings nicht zwei Stunden diskutieren müssen.
Was nicht beantwortet wurde, ist die Frage, wie man die Forderungen nach mehr Transparenz und einer neu zu führenden Diskussion über das Areal durchsetzen will. Der Hinweis, daß man eine politische Mehrheit im Rat, (die sich nicht gegen Erwins Linie wehren wird), nur mit politischen Mitteln aufhalten kann, wurde etwas verschämt abgewehrt. Bürgerbegehren z. B., also Maßnahmen, die rechtlich wirksame Hindernisse darstellen, sind nicht die Sache des Forums. Man habe sich nun einmal für einen anderen Weg (nämlich den des fachlichen Gesprächs) entschieden.
Gut, Architekten wollen Geld verdienen, und da hilft es sicher, wenn man sich nicht mit der Stadtspitze anlegt. Ein bißchen windelweich kommt mir das ganze aber trotzdem vor, zumal es unter Umständen das Gegenteil von dem erreicht, was es will (oder glaubt zu wollen): Wer ein Thema für sich beansprucht, hindert andere daran, die selben Ziele vielleicht wirkungsvoller zu verfolgen.
Aber gut daß wir mal so richtig darüber geredet haben.
Warum ich auf dem Thema herumreite? Wo (Stadt-)Planung sich auf Fassaden, Verkehrsführung und Umsatz orientiert, bleibt Gestaltung/ Kultur außen vor. (Meinetwegen z. B. der Umgang mit der Vergangenheit, überhaupt die Aufmerksamkeit für Elemente, Formen, Blickrichtungen, die einen kulturellen, symbolischen Raum in den gebauten Raum einblenden.) Ich glaube auch nicht, daß eine vollständige und gelungene städtische Umgebung in Marketingbegriffen formuliert werden kann. Es sei denn, man begreift Leistungen wie die Arbeit der meisten Ämter, Kulturinitiativen, Sportvereine, Sozialeinrichtungen etc. als Belastung des Haushalts, lästige Förderung unbeliebter Minderheiten, auf jeden Fall aber als Dinge, die nicht marktfähig sind.
Ich denke, unsere Stadtspitze denkt schon lange in solchen Kategorien. Der Streit um die Tonhallen-Terrasse ist übrigens ein schönes Beispiel.
Aus der Kulturszene war nix zu hören, das heißt, halt, doch - folgendes wurde kolportiert: Ein zweites Opernhaus könnte nicht schaden, so ließ die Oper verlauten, ein Literaturhaus wäre dringend, nötig hieß es von anderer Seite, Galerien und Auktionshäuser könnten einen Platz finden. Auch über alte Ideen, (wie die Ansiedlung der Sammlung Grothe, da habe ich Herrn Aengevelt jetzt einseitig zitiert, aber er hat es so, wie sagt man, insinuiert) müsse gedacht werden dürfen können und sollen.
Schade, daß die ("die"?) Kunstszene in der Diskussion nicht vertreten ist. Es scheint niemanden zu geben, der stellvertretend Ansprüche anmeldet. Einfach mal so, um zu sagen, hallo uns gibts auch noch. Das wäre mal eine Chance, z.B. den Kunstraum in seiner Stadtranderholungslage zu thematisieren. Einfach so, weil gerade alle zuhören.
Nachtrag am 16.8.: In der RP gibts einen Bericht über die Veranstaltung.
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Joachim Mannebach
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