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Montag, 1. Oktober 2007

Unwirscher Einwurf die skulptur projekte münster betreffend

... und zwar zu Dominique Gonzalez-Forster und ihren Mini-Skulptur-Projekten auf der grünen Wiese: "Ich interessiere mich für die Artikulation von Differenzen", heißt es oberschlau im O-Ton der Künstlerin, ja schön. Ich interessiere mich auch für Differenzen, zum Beispiel zwischen Einnahmen und Ausgaben oder zwischen intellektuellem Konzept und ästhetischer Ausführung. Ich artikuliere mal so: Ästhetische Ausführung oder Qualität heißt nicht, daß es schön ist, sondern daß es ein sichtbares Artefakt gibt, das Überlegungen über Gelingen/ Nicht-Gelingen aushält. Wenigstens das. Bei einer Arbeit wie der von Silke Wagner kann man immerhin den Punkt angeben, an dem sie ästhetisch scheitert (weil sie sich so weit im Dokumentarischen verstrickt, daß es keinen ästhetischen Ausweg gibt), bei Gonzalez-Forster gibt es nichts, was gelingen oder nicht gelingen könnte. Arbeiten, deren Bestandteil unter anderem die Größe und die Plazierung sind, werden verkleinert, aus dem Zusammenhang gerissen und über eine Wiese verstreut, degradiert zu einer Art Spielparcours. Es gibt mobile Kinderspielaktionen, die auf jedem Stadtfest auftauchen, das ist ähnlich und das ist auch schon alles, was sich dieser Arbeit abgewinnen läßt.

Ein weiterer Tiefpunkt ist (war) Tue Greenforts Güllewagen, der - ähnlich wie Silke Wagner - einen dokumentarischen Ansatz verfolgt (der Aasee kann nur durch die Einbringung von Chemikalien im Gleichgewicht gehalten werden, da der Zufluß aus den Bächen mit ihren Düngemittelresten und der Gülle aus der umliegenden Landwirtschaft ihn sonst "umkippen" lassen würde - also eine "künstliche" Idylle). Klar, man kann sich - wenn man will - über chemische Eingriffe in einen künstlich angelegten See ereifern, der immer in Gefahr ist, umzukippen. Wie macht man aber daraus Kunst? Tue Greenfort weiß es auch nicht. Nicht mal ein Subtext, der diese Pseudo-Allegorie begleitet, wird geliefert. Ein zu hartes Urteil? Ich glaube nicht.

Seine und andere Arbeiten (R. Trockel, M. Lehanka) stehen manchmal hilflos, gelegentlich gelangweilt in der Gegend herum, manche, wie die Schrebergartengeschichte von Jeremy Deller, tun gar nichts, sondern warten auf die nächsten zehn Jahre. Klar kann das Kunst sein, Bücher an Schrebergärtner verteilen, die in den nächsten zehn Jahren vollgeschrieben werden. Die Welt wartet aber wohl kaum darauf, diese Bücher zu lesen, also was ist es?

Mehr dazu am 10.10.

Mittwoch, 26. September 2007

Die Achse der Guten II (Ddf - Detmold)








In Detmold findet ab heute ein mehrtägiges Kurzfilmfestival samt türkischer Filmwoche statt. Bei beiden mischt Christian Deckert mit, in den 90ern zusammen mit seinen Mit-Regisseuren und -Produzenten (u.a. Cornelius Völker) durch einen "abendfüllenden Spielfilm" (also 90 Minuten) in lateinischer Originalsprache bekannt geworden, unvergessen sind Cameo-Rollen der Herren Schwegler, Lüpertz und Cragg. (Die Hermannsschlacht, auf imdb.com wird er als Director Writer Actor und Producer gleichzeitig gelistet).

Heute (und seit langem) arbeitet er vor allem an gelegentlich genialischen Kleinformaten (Zeichnungen), und stellt einen Zeichentrickfilm fertig, der ihm immerhin schon eine Einladung nach Ankara eingetragen hat (von dort führt die Linie straight nach Detmold, logisch, oder?)

Christian kuratiert unter anderem ein knappes künstlerisches Rahmenprogramm, es wird Freitag Samstag Sonntag eine Performance von Jörg Steinmann geben, außerdem eine Video-Installation von Timo Katz und Jan Fuchs, und eine compilation von globalscreen/ onomato.

Jörg Steinmanns Performance-Reihe Noise me Tender läuft hoffentlich noch eine Weile (hier in DDF), ich habs noch nicht geschafft, mal vorbeizuschauen, kann also nichts dazu sagen. Aber ich mag die Fotos, die ihn entspannt an seinem Instrumentarium hantierend in den lauten Ecken der Stadt zeigen.

Donnerstag, 16. August 2007

ateliers in reisholz

Bei einem ausführlichen Besuch bei Ursula Damm bekam ich nebenbei einen Eindruck des neuen Atelierhauses in Reisholz, wie im verlinkten Artikel beschrieben, ist das ganze sehr proper hergerichtet, neue Türen, Waschbecken, Telefon, wirklich gut. Zu den Preisen kann ich nichts sagen, soll aber erschwinglich sein. Daß Reisholz nicht der Nabel der Welt, da kann Reisholz nix für (wer nicht weiß wo's ist: Noch hinter dem schwedischen McMöbel-Haus, knapp beim Baumarkt, in Sichtweite von Henkel. )

Wie im Artikel auch bemerkt wurde: Noch mehr Ateliers wären noch besser. Wenn also jemand noch eine Hinterhofwerkstatt hat, die der Großvater nicht mehr braucht, her damit. Vielleicht liest ja auch der eine oder andere Firmeninhaber mit, der im Verwaltungsgebäude oder im Lager für längere Zeit was leerstehen hat. Na gut, so einen Aufruf haben andere auch schon versucht, aber schadt ja nichts.

Die Ateliers sind natürlich während der "Kunstpunkte" am kommenden und darauf folgenden Wochenende zum Teil geöffnet.

Mittwoch, 8. August 2007

kö-bogen: schön daß wir darüber geredet haben

Heute (d.h.: am 14.8.) gabs im Haus der Architekten (Sitz der Architektenkammer) eine Diskussionsveranstaltung des Forums Kö-Bogen. Fachleute aus Architektur und Stadtplanung hatten eingeladen, etwa 150 Menschen kamen, eine geballte Mischung aus Politikern, Architekten, Stadtplanern und alteingesessenen Düsseldorfern. Im Laufe der Diskussion wurde endlich deutlich, was man aus dem offenen Brief des Forums erahnen konnte: Diskutieren will man, den Oberbürgermeister umstimmen. Man hat gute Vorschläge und berechtigte Kritik. Ausdrücklich wird eine andere Planungskultur eingefordert, was z.B. heißt, die Öffentlichkeit stärker in die Entscheidungsprozesse zu Architektur und Stadtplanung einzubinden. Man kann das auch Transparenz nennen. Zum Schluß wurde ein vorbereitetes Statement verlesen, in dem diese Forderungen noch einmal gesammelt auftauchten. Dazu hätte man allerdings nicht zwei Stunden diskutieren müssen.

Was nicht beantwortet wurde, ist die Frage, wie man die Forderungen nach mehr Transparenz und einer neu zu führenden Diskussion über das Areal durchsetzen will. Der Hinweis, daß man eine politische Mehrheit im Rat, (die sich nicht gegen Erwins Linie wehren wird), nur mit politischen Mitteln aufhalten kann, wurde etwas verschämt abgewehrt. Bürgerbegehren z. B., also Maßnahmen, die rechtlich wirksame Hindernisse darstellen, sind nicht die Sache des Forums. Man habe sich nun einmal für einen anderen Weg (nämlich den des fachlichen Gesprächs) entschieden.

Gut, Architekten wollen Geld verdienen, und da hilft es sicher, wenn man sich nicht mit der Stadtspitze anlegt. Ein bißchen windelweich kommt mir das ganze aber trotzdem vor, zumal es unter Umständen das Gegenteil von dem erreicht, was es will (oder glaubt zu wollen): Wer ein Thema für sich beansprucht, hindert andere daran, die selben Ziele vielleicht wirkungsvoller zu verfolgen.

Aber gut daß wir mal so richtig darüber geredet haben.

Warum ich auf dem Thema herumreite? Wo (Stadt-)Planung sich auf Fassaden, Verkehrsführung und Umsatz orientiert, bleibt Gestaltung/ Kultur außen vor. (Meinetwegen z. B. der Umgang mit der Vergangenheit, überhaupt die Aufmerksamkeit für Elemente, Formen, Blickrichtungen, die einen kulturellen, symbolischen Raum in den gebauten Raum einblenden.) Ich glaube auch nicht, daß eine vollständige und gelungene städtische Umgebung in Marketingbegriffen formuliert werden kann. Es sei denn, man begreift Leistungen wie die Arbeit der meisten Ämter, Kulturinitiativen, Sportvereine, Sozialeinrichtungen etc. als Belastung des Haushalts, lästige Förderung unbeliebter Minderheiten, auf jeden Fall aber als Dinge, die nicht marktfähig sind.

Ich denke, unsere Stadtspitze denkt schon lange in solchen Kategorien. Der Streit um die Tonhallen-Terrasse ist übrigens ein schönes Beispiel.

Aus der Kulturszene war nix zu hören, das heißt, halt, doch - folgendes wurde kolportiert: Ein zweites Opernhaus könnte nicht schaden, so ließ die Oper verlauten, ein Literaturhaus wäre dringend, nötig hieß es von anderer Seite, Galerien und Auktionshäuser könnten einen Platz finden. Auch über alte Ideen, (wie die Ansiedlung der Sammlung Grothe, da habe ich Herrn Aengevelt jetzt einseitig zitiert, aber er hat es so, wie sagt man, insinuiert) müsse gedacht werden dürfen können und sollen.

Schade, daß die ("die"?) Kunstszene in der Diskussion nicht vertreten ist. Es scheint niemanden zu geben, der stellvertretend Ansprüche anmeldet. Einfach mal so, um zu sagen, hallo uns gibts auch noch. Das wäre mal eine Chance, z.B. den Kunstraum in seiner Stadtranderholungslage zu thematisieren. Einfach so, weil gerade alle zuhören.

Nachtrag am 16.8.: In der RP gibts einen Bericht über die Veranstaltung.

Mittwoch, 4. Juli 2007

kö-bogen update

Das Thema verselbständigt sich gerade etwas, hier also neueste Nachrichten:

Am 12. Juni wurde ein "Forum Kö-Bogen" gegründet, immerhin getragen von Enrichtungen wie dem BDA (Bund Deutscher Architekten), der Architektenkammer NRW, dem BDB (Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure), dem VCD, einer Agenda 21, den Grünen und der SPD.

Auf der Seite gibts eine Petition, fertig zum Unterzeichnen * und einen offenen Brief.

Außerdem gibts dort eine gute, kurze Linkliste zur Planung von den Anfängen bis jetzt.

Und hier eine 3D-Animation, die ganz gut zeigt, wie massiv das ganze werden kann.



* Unterschriftenlisten sind ja schon so was wie die Schwundform des Wahlzettels, aber Internet-Formulare...? Vielleicht bin ich zu skeptisch.

Montag, 2. Juli 2007

kö-bogen nochmal

Im Netz gibt es noch immer eine Seite, die den Entwurf von Ch. Ingenhoven zum Kö-Bogen zeigt. Wenn ich mich richtig erinnere, hat er (Christoph Ingenhoven) bei den ersten Planungen eine ziemlich einflussreiche Rolle gespielt, heute finde ich keinen einzigen Hinweis mehr.

Offensichtlich ist jemand darüber gestolpert, daß es keine Ausschreibung gab. Andererseits: Ingenhoven hatte sich offensichtlich mit der Sparkasse als Investor zusammengetan (siehe Impressum der website), heute fährt die Trinkaus-Bank einen ziemlich deutlichen Kurs: Wir wollen das Ding haben und deshalb wollen wir auch bestimmen, wie groß es wird. Wie es dazu kam, daß der Investor im Galopp gewechselt wurde, bleibt unklar. Warum man überhaupt einem Investor den Einfluß auf Entscheidungen einräumt, die nicht nur dieses eine Grundstück, sondern den gesamten umliegenden Stadtraum umkrempeln, habe ich noch nicht verstanden. Dazu hier ein Artikel. Zitat:

Die zwei Gebäude auf dem Jan-Wellem-Platz wolle man – bis auf einige hundert Quadratmeter für Einzelhandel – komplett selbst nutzen. Eine geringere Gesamtfläche sei nicht möglich, „dann würde sich das Vorhaben nicht realisieren lassen“, sagte Schmitz [Vorstandssprecher Trinkaus & Burkhardt] , der darauf hinwies, dass die Bank „einer der größten Gewerbesteuerzahler ist“.

Ein solcher Gewerbesteuerzahler wird sich natürlich auch nicht unbedingt von Volkes Stimme sagen lassen, was er denn bauen soll. Das zu Sinn und Unsinn der "Abstimmung" über die vier vorliegenden Entwürfe. Den Herrn Erwin wundert natürlich nicht, daß das Volk keine Glasfassaden mag.

Eine lebhafte Diskussion (die fast zwei Jahre zurückreicht!) gibts im Deutschen Architektur-Forum.

Gut zusammengefaßt scheint das ganze hier.

Montag, 25. Juni 2007

Kö-Bogen II

Andere haben da schon lange vorher was zu gesagt, ein guter Kommentar findet sich als Leserbrief im "duesseldorf-blog" *

Hier ist der Link.

Wer noch mehr zu Herrn Erwins Aktivitäten lesen möchte, findet vor allem im weblog http://www.rainersacht.de/ jede Menge Material. Da ist jemand an der Tasttatur, der so viel zu sagen und zu schreiben hat, daß es fast schon wieder unübersichtlich wird. Zum Einstieg vielleicht das hier in Ruhe lesen. Es gibt eine eigene Kategorie "Erwin & Konsorten".


* für das im Impressum Herr Osinski von der osicom GmbH, einer PR-Agentur, verantwortlich zeichnet.

kö-bogen

die fassaden-studien zum kö-bogen gabs vier tage lang zum beschauen. hier alles weitere, samt abbildungen der architektur-modelle - hier der link. der hofgarten wird nicht angetastet heißt es, und die autos kommen unter die erde, so der volkswille. schön für den hofgarten, doch, ernsthaft. auch wenn er dann auf der nordseite des blocks liegt, also permanent im schatten.

wer die entwürfe mit dem ist-zustand vergleichen möchte, findet bei google-maps ein gutes satellitenbild. dieser link führt direkt dort hin.

der tausendfüßler (hochstrasse über den jan-wellem-platz) ist offensichtlich aus dem rennen, sprich: er kommt weg. vielleicht gibt es aber auch wieder eine diskussion wie damals um die kunsthalle, die zum abschuß freigegeben werden sollte. und wie die unterirdische straßenführung sein soll, wo zweihundert meter weiter ein mehrstöckiger u-bahnhof quer zur oberirdischen straße (berliner allee, u-bahn steinstrasse/ königsallee) liegt, da bin ich mal gespannt.

diese seltsame beton-hochstraße ist ein einzigartiges stück, architektonisch, technisch, und städtebaulich. schauspielhaus (*), dreischeibenhaus und tausendfüssler gehören zusammen. wers nicht kennt:

ein schnappschuss
schön gesehen....


(* auch wenns im internet so aussieht, als sei den theaterleute völlig egal, wo sie spielen, gerade mal ein briefmarkengroßes bild gibts auf der seite, bei bewölktem himmel geschossen, mit stürzenden linien und zu viel beton im vordergrund, das kann jeder praktikant besser: hier der link - kein wort gibts da zur architektur, als sei das haus ein bürogebäude im industriegebiet)

Freitag, 22. Juni 2007

nachtrag zu drop sculpture

hier gibts einen link zum bronzeding vor der west lb - und hier noch einen (der Bildhauer hat, so stehts zu lesen, den Internet-Auftritt der PR-Agentur gestaltet, bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, daß es um eine vorgeschaltete Seite mit einem Bronze-Ludwig-Erhard und eine "virtuelle Werkschau" geht.)

drop sculpture drop architecture

Bronzeklötze, zu schlaff-abstrakten Formen oder beliebig stilisierten Figuren gegossen, gelten in manchen mittleren und größeren Städten bis heute als Kunst. Kann man "drop sculpture" nennen, weil es oft ziemlich egal ist, wo man sie im Stadtbild fallen läßt und so sehen sie dann auch aus. Hauptsache, sie behaupten laut und deutlich, daß sie Kunst sind.

(Das schlimmste Beispiel in Düsseldorf steht übrigens vor der West-LB und heißt im Volksmund "die Hüftprothese", wenn wir uns überwinden können, ein Foto zu machen, wirds veröffentlicht.)

Da hat sich viel getan, zum Glück. Wie es auch geht, wie also Kunst im öffentlichen Raum aussehen kann, zeigen mal wieder die Skulptur Projekte in Münster. Der erste Besuch war schon mal prima, mehr bei Gelegenheit.

In den Publikationen im Vorfeld gibt es etwas versteckt einen knackigen Artikel der Architekturkritiker, -theoretiker und -praktiker Ilka und Andreas Ruby, die kurz gesagt die Bauentscheidungen vieler Städte für offensiv marketinggesteuert halten - zum Nachteil des Stadtraums.

Hier ein längeres Zitat, den ganzen Artikel gibts im Magazin der Skulpturprojekte hier als download (pdf, 5 MB)

"Auf städtischen Plätzen und Fußgängerzonen
auf- oder vielmehr abgestellt, sollte
diese solitäre Freiraumskulptur dem öffentlichen
Raum eine stärkere Identität verleihen.
Wichtige Kriterien für die Auswahl dieser
urbanen Totems waren eine gewisse Größe,
um im Freiraum nicht unterzugehen, eine
leichte Lesbarkeit, um die allgemeine Öffentlichkeit
nicht allzu sehr zu verschrecken,
sowie eine möglichst hohe ikonische Wirkung,
um auch als Postkartenmotiv gut zu
wirken. Mit ihrem konkreten räumlichen
Kontext, in dem sie aufgestellt wurden, hatten
die Werke dagegen oft nur wenig zu tun.
Häufig wirkten sie wie direkt von der Stange
des Kunstbetriebs. Der Handel zwischen
Kultur und Stadt funktionierte davon ganz
unbenommen: die Stadt bot das Schaufenster,
die Kunst die Auslage. Dieses mangelnde
Verhältnis von Figur und Umraum wurde
zum Auslöser für die sog. „Ortsspezifische
Kunst“, die bis heute eine der nachhaltigsten
Beispiele von Kunst im öffentlichen Raum
darstellt.

In der Kunst nahezu in Vergessenheit geraten,
lebte die „Drop-Sculpture“ dann in der von
Stars mit persönlicher Handschrift dominierten
Architektur der 1990er Jahre wieder auf.
Die „Drop-Buildings“ der zeitgenössischen
Architektur wenden die Doktrin der „Drop-
Sculpture“ vom öffentlichen Raum nun auf
die Stadt als Ganzes an. Um sich im globalen
Städtewettbewerb zu behaupten, müssen
sich Städte heute global positionieren und
ein Image aufbauen, das weltweit wieder
erkennbar ist. Die Architektur ist dafür zu
einem entscheidenden Vehikel geworden.

Rissen sich städtische Kulturdezernenten
früher darum, einen Calder, Picasso oder
Chillida zu akquirieren, arbeiten Stadtmarketingmanager
heute eher daran, einen Gehry,
Kohlhaas oder Herzog & de Meuron zu verpflichten.

Diese Prostitution der Architektur im Namen
des Tourismus reduziert Gebäude heute zunehmend
auf ihre äußere Erscheinung. Man
ist kurz davor zu vergessen, dass Architektur
auch einen nutzbaren Innenraum hat. Aber
Architektur ist keine Skulptur im öffentlichen
Raum, sondern öffentlicher Raum als Skulptur.
Statt den öffentlichen Raum mit ihrer
selbstverliebten Präsenz zu kolonisieren,
sollte Architektur ihren Innenraum dem
öffentlichen Raum als Asyl zur Verfügung
stellen angesichts der zunehmenden Privatisierung
der Innenstädte, durch die der
öffentliche Raum an seinem angestammten
Ort, dem Leerraum zwischen den Gebäuden
der Stadt, zusehends rarer wird."

Freitag, 15. Juni 2007

Oldenburgs Eishörnchen

Neumarkt-Galerie, Köln: Auf der oberen rechten Gebäudeecke sitzt ein umgedrehtes, riesiges Hörnchen mit Vanille-Eis, von hier unten geschätzte sechs Meter groß. Das Eis sitzt satt auf der Ecke und man hofft, daß das Zeug nicht echt ist und womöglich tropft. Lecker ist das nicht, zum Eisessen animiert es auch nicht. Riesige Speisereste an Gebäudeecke, welcher Bauherr hat da geglaubt, das sei frisch, positiv und attraktiv? Oldenburg war schlauer, daß er sowas finanziert bekommt, spricht dafür, daß er in gewissen Kreisen auf mangelnde Ironiefähigkeit und unsichere Urteilskraft rechnen kann.

"Natürlich erinnert die Skulptur an eine Eistüte", sagt der berühmte Pop-Artist Oldenburg. "Aber sie ist mehr als nur das", fügt seine Frau Coosje hinzu: "Sie ist eine Skulptur. Sie hat architektonischen Charakter." Die geometrische Form des Hörnchens soll, da sind sich die beiden Künstler einig, an die Türme des Doms und die der romanischen Kirchen in Köln erinnern." (uralter Artikel, sozusagen Vintage-Presse)

Nee is klar, und Fleisch ist mein Gemüse.

Hier gibts ein Foto von dem Ding.

bronzeklumpen für düsseldorf

Der in Düsseldorf weltberühmte Skulpteur Manolo Valdes hat der Stadt Düsseldorf noch eine seiner Bronzeklumpen geschenkt, nachdem er drei gegen Geld dort hat stehen lassen. Kann man großzügig nennen, ich nenne es Platzproblem. Wenn man 21 von diesen Dingern hat, ist man froh über jedes, das man los wird.

"Die Meninas erinnern an die 1. Quadriennale", so die Pressestelle der Landeshauptstadt (hier), eine kühne Behauptung. Beim Stichwort Quadriennale fällt den meisten wohl wenig mehr ein, als eine Reihe von Ausstellungen, die in dieser Zusammenstellung in jedem beliebigen anderen Jahr auch hätte stattfinden können. Dank der oft hochkarätigen Arbeit der Düsseldorfer Institute geben die Programme genug Material her, um jedes Jahr ein nicht zu präzise formuliertes Thema oben drauf zu pfropfen.

Wenn man denn schon an Skulptur im Quadrat-Jahr denkt, dann sicher erst mal die Werke von Juan Munoz im K21 und nicht die drittklassige Provinzkunst des Herrn Valdes. Er ist bestimmt ein große Künstler, ich bin sicher, über kurz oder lang werde ich das einsehen (meine Suche nach erstklassigen Werken des Herrn V. ist noch nicht zu Ende!), aber die Meninas sind eher Kleinkunst.

Nicht mal hingucken kann der entsprechende Presseschreiber (oder die Schreiberin): Die Figuren seien damals (2006) "beschwingt und scheinbar federleicht auf dem Mittelstreifen der Heinrich-Heine-Allee flaniert[...]". Hinsehen: Die Dinger sind zu acht bis neun Zehnteln in der Form und der Oberfläche handgedengelter, klobiger Kuhglocken ausgeführt.
Wer Kuhglocken schweben sieht, der verwechselt auch Kühe mit Araberhengsten.

Munoz und Valdes - seltsam, daß der naheliegenden Versuchung, die zwei Spanier gegenüberzustellen, niemand nachgegeben hat (oder doch? für Hinweise bin ich dankbar).

Den Versuch, Valdes wenigstens formal zu retten, kann man sich sparen, seine milde Abstraktion würde an der hiesigen Akademie wahrscheinlich nicht für die Aufnahme in den O-Bereich reichen. Die plastischen Arbeiten zeigen ein Verständnis der figurativen Skulptur, das sich hierzulande in den fünfziger Jahren allmählich einfach verlor. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, daß sein orientierungsloses Zitieren an irgendeiner Stelle des malerischen und plastischen Werks mehr ist als höchstens Nostalgie.

Vielleicht hat den Vergleich mit Munoz deshalb niemand angestellt, die Qualitätsunterschiede sind einfach zu deutlich.

Deutlich ist aber auch der Unterschied zwischen öffentlicher Institution und der Initiative einer privaten Galerie. Die Meninas wurden auf der Heinrich-Heine-Alle aufgestellt, weil sie dem Herrn Erwin gefielen. Es ist gut, daß es eine Galerie gab, die dem Herrn Erwin was zeigen konnte, was ihm gefiel.

Haben wir den Herrn Erwin neben einer Arbeit von Juan Munoz abgebildet gesehen? Ich bitte um Hinweise.